Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Sachsen
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Zum Jahreswechsel 2009/2010

Liebe Mitglieder der ANW - Landesgruppe Sachsen,

das Jahr 2009 geht zu Ende. Ich möchte wiederum Bilanz ziehen und einen Ausblick für das kommende Jahr geben.

Die Frühjahrestagung führte uns auf historischen Boden nach Neschwitz. Dietrich Graf informierte auf bewährte Weise über die Waldbaugeschichte des Reviers, die eng mit Arnold Frh. v. Vietinghoff- Riesch und Fritz Rühe verbunden ist. Nach der Führung durch den Schlosspark und die Naturschutzstation ging es zur Exkursion in die Hahnberge. Von der Kiefern-Dauerwaldwirtschaft ist heute leider nicht mehr viel zu sehen, aber einige Ansätze und ein "Schatzkästlein" fanden wir dann doch noch mit Hilfe der fachkundigen Führung durch die örtlichen Revierleiter. Auf der Frühjahrestagung wurde auch der neue Vorstand der Landesgruppe gewählt. Ihm gehören Annette Schmidt - Scharfe, Johannes Riedel, Martin Hartig, Andreas Pommer, Johannes Grunwald, Roberto Böhme und Stephan Schusser an. Den ehemaligen Vorstandsmitgliedern Dietrich Graf und Wolfram Gläser sei für ihre langjährige engagiert Tätigkeit im Vorstand der ANW - Landesgruppe an dieser Stelle nochmals recht herzlich gedankt.

Im Juni beteiligte sich die ANW an einem GEO - Tag der Artenvielfalt. Im Waldgebiet Riedert zwischen Eibenstock und Carlsfeld fahndeten ehrenamtliche und professionelle Fachleute nach allen möglichen Tier- und Pflanzenarten. Heraus kamen umfassende Listen mit zum Teil seltenen Arten der Roten Liste. Wenn nach einigen Jahren eine Wiederholung stattfindet, gibt es vielleicht Erkenntnisse, wie sich die naturgemäße Waldwirtschaft auf die Artenvielfalt auswirken könnte. Ebenfalls im Juni führte uns eine mehrtägige Fachexkursion in das Elsass. Unter der Leitung von Marc Etienne Wilhelm fand eine exzellentes Waldbautraining zu vielfältigen Themen statt. Beeindruckend fand ich u.a. die Laubholzpflege (Ringeln - Knicken), Wertholzerziehung, Eichenverjüngung, Tannenwirtschaft und Vorratsermittlung. Auch kulturell und gastronomisch hat sich die Reise gelohnt. Es war wohl eine unserer fruchtbarsten Exkursionen und die Begeisterung den Teilnehmern entsprechend anzumerken.

Die Herbstexkursion beschäftigte sich mit dem Erhalt der Höhenkiefer. Forstbetriebsleiter Grosch von den Bayerischen Staatsforsten gestaltete die Exkursion im Forstbetrieb Selb. Wie erwartet, wurde schnell klar, dass mit "homöopathischen" Eingriffen keine Kiefernnaturverjüngung zu erwarten ist. Achtbare Ergebnisse waren nur mit lichtem Überhalt und Bodenverwundung zu erzielen. Als wahrer Höhepunkt gestaltete sich die Führung durch das wieder angestaute Moor der Häuselloh. Mystisches, Prosa, Sagenhaftes sowie Ökologie rund ums Moor trafen da auf engstem Raum aufeinander.

Für das Jahr 2010 planen wir eine Mehrtagesexkursion in die Tschechische Republik, einen Erfahrungsaustausch in einem Landeswaldrevier sowie eine Exkursion im Privatwald. Ich hoffe, wir sehen uns recht zahlreich zu unseren Veranstaltungen. Über Anregungen zu interessanten Themen oder Beispiele naturgemäßer Waldwirtschaft würde ich mich freuen.

Allen Mitgliedern unserer Landesgruppe wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest , alles Gute für das kommende Jahr 2010 und vor allem Mut für konsequente Entscheidungen zum Wohle des Waldes.

Mit herzlichen Grüßen

Stephan Schusser

Gemeinsame Stellungnahme von ANW, BUND, GAW und ÖJV zum Workshop "Rotwild – Hege, Bejagung, Bestand" am 27.06.2009 in Tharandt

Gegenwärtig wird im Auftrag des SMUL von der TU Dresden, Fakultät für Forst, Geo- und Hydrowissenschaften, Fachrichtung Forstwissenschaft Tharandt, ein Projekt zur Rotwildbewirtschaftung in Sachsen bearbeitet.
Über Workshops haben Verbände, Hegegemeinschaften und staatliche Institutionen die Möglichkeit am Projekt mitzuwirken. ANW, BUND, GAW und ÖJV möchten sich in die Diskussion aktiv einbringen und ihre Positionen darlegen.

Das Rotwild ist ein Bestandteil des Naturhaushaltes unserer Landschaften, dessen nachhaltige Erhaltung wird unsererseits ausdrücklich begrüßt. Der Schutz und die Entwicklung großräumiger, unzerschnittener und naturnaher Lebensräume und deren Vernetzung sind dabei von entscheidender Bedeutung. In diesem Sinne darf das Rotwild nicht, wie in der Vergangenheit geschehen, in seiner Bedeutung überhöht und überhegt werden.
Darüber hinaus sollten die Eigentümerinteressen der Land- und Forstwirtschaft stärker berücksichtigt werden.

Derzeit leben in Sachsen in 10 ausgewiesenen Rotwildgebieten mit einer Gesamtfläche von rund 570.000 ha, das sind 40% der Jagdfläche, etwa 10 000 bis 12 000 Tiere. Jährlich werden etwa 3 000 bis 4 000 Stück Rotwild erlegt. Damit wird das Rotwild nachhaltig bewirtschaftet und ist in seinem Bestand nicht bedroht.
Von entscheidender Bedeutung ist die Höhe des Bestandes und die davon ausgehenden Belastungen für Land- und Forstwirtschaft. Im Wald sind das vor allem Verbiss- und Schälschäden.

Mit dem rasanten Klimawandel steht die sächsische Forstwirtschaft vor ihrer größten Herausforderung. Der Waldumbau in stabilere Mischwälder muss in den nächsten 50 Jahren in großem Umfang stattfinden. In weiten Teilen Sachsens lassen jedoch die hohen Rotwildbestände einen großflächigen Waldumbau nicht zu.
Ein Drittel der Waldumbaukosten muss heute bereits für Waldschutzmaßnahmen gegen Wild ausgegeben werden. Jährlich gehen somit dem Waldumbau Millionenbeträge verloren.
Im öffentlichen Wald ist dies Steuermittel, die nur begrenzt zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Hypotheken von Schälschäden aus der Vergangenheit. Die Verluste durch Rotfäule aus alten Schälschäden betragen im öffentlichen Wald Sachsens jährlich ca. 8 Mio. Euro. Ohne diese Belastungen könnte in vielen Forstbetrieben mit Gewinn gearbeitet werden.
Der sowohl aus ökonomischen als auch ökologischen Gründen notwendige flächendeckende Waldumbau muss daher mit Wildbeständen umsetzbar sein, bei denen auf Waldschutzmaßnahmen gegen Wild verzichten werden kann.

ANW, BUND, GAW und ÖJV Sachsens fordern deshalb im Rahmen des Projektes folgende Aspekte zu beachten:

  1. Die Auflösung der Rotwildgebiete verbunden mit der gleichzeitigen Abschaffung der Hegerichtlinie zum Abschuss nach Geschlecht und Altersklassen. Eine Planung erfolgt dann nur noch nach Stück. Dies hätte eine höhere Flexibilität beim Abschuss sowie erheblichen Bürokratieabbau zur Folge.
  2. Beibehaltung des Verbiss- und Schälgutachtens durch externe Gutachter als Basis für die Abschussplanung anhand objektiver Kriterien.
  3. Beibehaltung der bisherigen gesetzlichen Jagdzeiten und jagdlichen Möglichkeiten, um wirksam Rotwild regulieren zu können und den verschiedenen geografischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden; also keinerlei Einschränkungen der Jagdzeiten.
    Verkürzungen der Jagdzeiten können im Interesse der Verminderung der Beunruhigung des Rotwildes von den Jagdausübenden je nach Planerfüllung freiwillig praktiziert werden.
  4. Aufhebung der Abschussbeschränkungen auf Kronenhirsche außerhalb der Schalenwildgebiete (sofern diese bestehen bleiben), weil es dafür keine rationale, biologische Begründung gibt.
  5. Keine Übertragung von staatlichen Aufgaben (wie Abschussplanung und Kontrolle) auf die Hegegemeinschaften. Die Hegegemeinschaften sollen eine freiwillige Interessenvertretung für die Belange des Rotwildes bleiben. Aufgaben der Jagdbehörde zur Wahrung gesamtgesellschaftlicher Ziele dürfen nicht an eine Minderheit von Lobbyisten abgetreten werden. Die Mitgliedschaft in Hegegemeinschaften darf kein Zwang sein.
  6. Förderung des Schutzes und der Entwicklung von großräumigen, unzerschnittenen und naturnahen Lebensräumen und deren Vernetzung, einschließlich der Schaffung von barrierefreien Korridoren (wie z.B. ausreichend dimensionierte Grünbrücken). Einrichtung von Ruhezonen in touristisch stark frequentierten Regionen durch eine entsprechende Besucherlenkung.
  7. Verzicht auf unnatürliche Fütterung, um die natürlichen, jahreszeitlichen Wanderbewegungen des Rotwildes zu unterstützen.
  8. Stärkung der Eigentümerinteressen der Grundbesitzer und ein klares Bekenntnis zum stabilen und artenreichen Lebensraum des Wildes im Jagdgesetz nach dem Motto "Wald vor Wild", wie es z.B. auch in Bayern gilt.

Diese Forderungen sind Ausdruck unserer Verantwortung für die Erhaltung des Ökosystems Wald, einer nachhaltigen naturnahen Rohstoffproduktion sowie aller für die Gesellschaft wichtigen Waldfunktionen. Unser Ziel ist dabei eine ausgewogene Synthese von Wald und Wild.

Eibenstock, 14.01.2010

ANW BUND GAW ÖJV
S. Schusser W. Riether J. Richter J. Walter
Vorsitzender Geschäftsführer Vorsitzender Geschäftsführer
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Letzte Änderung: 06. März 2010